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Vom Gaffer zum Helfer - Experten diskutierten in Altenholz

22.03.2010 12:43

Heiner Backer von links, Carsten Kock und Dr. Ralf Kirchhoff im Vorgespräch zur Podiumsdiskussion zum Thema
Heiner Backer von links, Carsten Kock und Dr. Ralf Kirchhoff im Vorgespräch zur Podiumsdiskussion zum Thema
ALTENHOLZ - Innenminister Klaus Schlie mobilisiert weiter gegen Gafferei am
Einsatzort. "Wir müssen nach Wegen suchen, wie wir Menschen dazu bringen,
vom Gaffer zum Helfer zu werden", sagte Schlie am Montag, 22. März 2010 in
Altenholz. Der Fachbereich Polizei an der Fachhochschule für Verwaltung und
Dienstleistung (FHVD) und das Innenministerium hatten dort zu einer
Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen.

Am Ende der von R.SH Chefkorrespondent Carsten Kock sehr souverän geleiteten
Veranstaltung wurde des Öfteren das Motto "Helfen kann jeder" zitiert. Einig
waren sich die Fachleute darüber, dass neben der Sensibilisierung und
Aufklärung die Diskussion über die Unmoral des Gaffens auf breiter Front in
Gang kommen müsse.

Vor rund 250 Gästen aus den Bereichen Polizei, Feuerwehr, Justiz, kommunale
Ordnungsbehörden, Medizin und Medien diskutierten Fachleute über mögliche
Ursachen des Gaffens und Maßnahmen zu dessen Eindämmung. Teilnehmer an
dieser Podiumsdiskussion, waren aus dem Bereich der Feuerwehr Dr. Ralf
Kirchhoff, Leitender Branddirektor und Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Kiel
sowie Heiner Backer, als Fachleiter Psychosoziale Notfallversorgung. Ergänzt
wurde die Runde durch die Direktorin des Institutes für Sanktionsrecht und
Kriminologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Professorin Dr.
Monika Frommel, dem Leitenden Regierungsdirektor und Dekan des Fachbereichs
Polizei der FHVD, Hartmut Brenneisen, sowie dem Polizeidirektor Joachim Gutt
und dem Journalisten Peter Wüst.

"Die Debatte über die Unmoral des Gaffens sei notwendig, damit Menschen klar
werde, dass jeder Opfer werden könne und dann die Hilfe anderer brauche.
Wer nur zuschaut, macht sich zum Täter", sagte Innenminister Schlie. Er
lehnte gesetzliche Änderungen ab. Damit lasse sich das Problem nicht lösen.
Die Bestimmungen über unterlassene Hilfeleistung und Behinderung von
Einsatzkräften am Unfallort reichten aus, um gegen Gaffer und Störer
rechtlich vorzugehen. "Fehlende Rechtsnormen sind nicht das Problem", sagte
Schlie.

Der Minister setzt im Kampf gegen das Gaffen auf eine langfristige
Veränderung im sozialen Verhalten von Menschen. Eltern, Lehrer und Medien
müssten als Partner gewonnen werden. Schlie rief auch die Automobilclubs und
den Fahrlehrerverband auf, an der Entwicklung von Konzepten und Strategien
mitzuwirken. Die Feuerwehren und Präventionsbeauftragten der Polizei könnten
das Thema in ihren Öffentlichkeitsveranstaltungen als festen Programmpunkt
behandeln. In der Fahrschule könnten fachmännisch ausgewählte Unfallbilder
Menschen überzeugen, zu helfen statt zu gaffen "Ich war und bin gegen eine
zwangsweise Schocktherapie mit Unfallbildern", sagte Schlie.

Text und Bild: Werner Stöwer / www.lfv-sh.de

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