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Firefighting World Wide

07.04.2010 09:20

Die Feuerwehr in Afganistan
Die Feuerwehr in Afganistan "Firefighting World Wide"

Firefighting World Wide!


Die offizielle Bezeihnung der Einheit lautet „Brandschutzzug der Objektschutzgruppe des Einsatzgeschwaders“. In Deutschland würde man diese Einheit als Fliegerhorstfeuerwehr eines Geschwaders bezeichnen. Zum täglichen Geschäft der Einsatzkräfte der Objektschutzgruppe des Einsatzgeschwaders der Bundeswehr in Mazare Sharif (MeS) gehören, neben Luftnotlagen mit Luftfahrzeugen, auch die überörtliche Hilfeleistung auf Anforderung öffentlicher afghanischer Stellen. So wurden bereits einige Einsätze zur Unterstützung der afghanischen Bevölkerung wahr genommen, beispielsweise bei Bränden in einem Krankenhaus oder einem Lager für Bauholz und Gasflaschen. Der Stabsunteroffizier Daniel-Christopher Zielke, der seinen ersten viermonatigen Afghanistan-Einsatz mit dem Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ absolvierte, berichtet über den Aufbau dieser Löschtruppe. Als Feuerwehrmann in seiner Heimatgemeinde Groß Niendorf (Schleswig-Holstein) interessiert ihn die Arbeit der deutschen Brandschutzeinheit.

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Auftrag


Die Kameraden sind mit zweierlei Aufgaben betraut, der Sicherstellung des abwehrenden Brandschutzes im Camp sowie der Sicherstellung des Brandschutzes für den Flugbetrieb des International Airport MeS. Die Sicherstellung des Brandschutzes im Flugdienst, der in zivilen und militärischen Flugverkehr unterschieden wird, ist die Hauptaufgabe der Brandschützer. Das Camp ist ca. zwei Quadratkilometer groß. Zusammen mit dem Flugplatz deckt der Brandschutzzug den Brandschutz für ca. sieben Quadratkilometer ab. Am Tag finden auf dem Flugplatz zwishen 60 und 120 zivile und militärische Flugzeugbewegungen in das In- und Ausland statt. Der Flugplatz grenzt direkt an das Camp. Die hier stationierten militärischen Luftfahrzeuge der Bundeswehr bestehen zur Zeit aus dem PA 200 Tornado, der Transall C160 und einigen CH 53 Helikoptern. Die unterschiedlichen Luftfahrzeuge verlassen das geschützte Vorfeld zum Starten durch zwei große Rolltore, die, wenn kein Flugbetrieb stattfindet, geschlossen sind. In der Start- und Landephase der deutschen Luftfahrzeuge sind drei Flugfeldlöschfahrzeuge an der Start- und Landebahn. Bei Bewegungen der vielen unterschiedlichen zivilen Flugzeuge und Helikopter befindet sih immer ein Flugfeldlöschfahrzeug am Tower. Sollte außerhalb des Flugplatzes Hilfe durch die Brandschutzkräfte ersucht werden, so wird dies über den befehlshabenden Vorgesetzten des Bereiches erfragt. Diese Anfrage kam in den letzten Jahren schon häufiger vor. Der Brandschutzzug war mit seinen großen Flugfeldlöschfahrzeugen, den einheimischen Kräften eine große Hilfe, da im nördlichen Afghanistan eine Wasserversorgungnicht ausreichend vorhanden ist.

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Gliederung


Der Brandschutzzug ist einer von vier Zügen der Objektschutzgruppe des Einsatzgeschwaders. Der Kommodore des Einsatzgeschwaders MeS ist zur Zeit Oberst Ingo Gerhartz, der befehlshabende Offizier des Brandschutzzuges ist Hauptmann Roland D. Die Position des Brandschutzzugführers ist mit einem Offizier besetzt, sein Stellvertreter wird durch einen Feldwebeldienstgrad gestellt. Die insgesamt 23 Brandschutzsoldaten/innen sind vergleichbar einer deutschen Berufsfeuerwehr in Wachabteilungen unterteilt. Jede der drei Schichten wird mit 1/6 Brandschutzfeldwebeln besetzt. Die Flugbetriebsschicht ist mit der Aufgabe der Flugsicherheit beauftragt. Luftfahrzeuge werden gemäß ICAO (Internatio-nal Civil Air Organisation) in Risikostufen eingeteilt. Diese richten sich im wesentlichen nach der Größe des Luftfahrzeuges und sagen aus, welche und wie viele Löschmittel vorhanden sein müssen. Des Weiteren müssen wirkungsvolle Lösch- und Rettungsmaßnahmen innerhalb von drei Minuten nach Erkennen einer Lage eingeleitet sein. Bei den militärischen Luftfahrzeugen der Bundeswehr gelten zusätzlich die zentralen Dienstvorschriften aus Deutschland. Hier ist die Eingreifzeit auf eine Minute reduziert. Um Gefahren sicher abzuwehren und einen effektiven Löscheinsatz durchzuführen, bekommen die Rettungskräfte eine Einweisung an den Luftfahrzeugen am Standort, insbesondere zur Rettung der fliegenden Beatzungen und der Passagiere aus den Flugzeugen und  Helikoptern. Die Camp Schicht, die den Brandschutz in den Werkstätten und Unterkünften sowie sonstiger Arbeitsbereiche der Soldaten sicherstellt, widmet sich auch der Pflege und Wartung der Ausrüstung. Diese Schicht stellt zusätzlich den Disponenten in der Rettungsleitstelle. Die Pulverwerkstatt führt den WPFD (Wartungs-, Prüf- und Fülldienst) derPulver- und CO2-Löscher sowie der Kübelspritzen des eigenen Camps und die der deutschen Feldlager aus Kabul, Kunduz, Faizabad und des strategischen Luftumschlagzuges in Termez/Usbekistan durch. Allein im Camp in MeS hat die Feuerwehr über 1.500 Feuerlöschgerätschaften zu warten und zu prüfen. Die CSA-Anzüge sowie die Atemschutzgeräte werden ebenfalls mit Hilfe einer erst kürzlich beschafften Überprüfungseinheit vor Ort gewartet und geprüft. Eigens für den Einsatz in Afghanistan wurde ein Container entworfen, in dem sich die Anlage zur Befüllung der Atemluftflaschen befindet. Selbst die eigenen Fahrzeuge werde nur zu größeren Arbeiten an die Instandsetzung abgegeben. Alle sonstigen Arbeiten an den Fahrzeugen werden selbst durchgeführt. In der Schlauchwerkstatt werden Schläuche gereinigt, überprüft, ausgebessert und auch neue Schläuche eingebunden. Die letzte Schicht ist die Bereitschaftsschicht. Hier hat jeder die Gelegenheit persönliche Angelegenheiten zu erledigen, Sport zutreiben oder einfach mal zu regenerieren. Wird in den anderen Schichten jedoch Unterstützung benötigt, stellt die Bereitschaftsschicht unverzüglich die Einsatzbereitschaft her.

 

Karte AfganistanDaniel-Christopher Zielke in Afganistan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fuhrpark der Feuerwehr in Afganistan

Fahrzeugpark


Der Fahrzeugpark ähnelt dem einer Fliegerhorstfeuerwehr der Bundeswehr in Deutschland. Das größte Fahrzeug in der Wache ist das Flugfeldlöschfahrzeug FL-Kfz 8000. Es ist ein Vierachsfahrzeug und im Gelände einsetzbar. Mit seinen 32 t Gesamtgewicht und einer Spitzengeschwindigkeit von rund 110 km/h ist dieses Fahrzeug in der Lage, jeden Punkt des Einsatzgebietes innerhalb der Eingreifzeit zu erreichen. An Bord des Fahrzeuges befinden sich 8.000l Wasser, das über den Dachmonitor oder die rechts und links befindlichen Haspeln ausgebracht werden kann. Mit zwei rechts und links am Fahrzeug ausziehbaren Schaumbalken kann mit den 800l Schaummittel über eine Breite von 10 m ein Schaumteppich ausgebreitet werden. Das nächst kleinere ist das TroTLF 3500. Es ist ein Dreiachser und ebenfalls geländegängig. Zu den 3.500 l Wasser sind zusätzlich 280 l Schaum verfügbar, der ebenfalls über den Dachmonitor oder den Stoßstangenwerfer ausgebracht werden kann. Die Wurfweite der Monitore der beiden genannten Fahrzeuge beträgt bei Wasser ca. 50 m und bei Schaum ca. 35 m. Beide Fahrzeugtypen sind bei der Bundeswehr schon über 30 Jahre im Einsatz. Die Fahrgestelle kamen von der Firma Faun, der feuerwehrtechnische Aufbau wurde von der Firma Kronenburg hergestellt. Als Rettungsfahrzeug für die Piloten des Tornados befindet sich das TLF 1000 vor Ort. Es ist ein Unimog und hat an der Front des Fahrzeuges eine Bühne angebracht, mit der man bis an das Luftfahrzeug heran fahren kann. Eine kleine Besonderheit ist der RW 1 auf einem Fahrgestell eines 814 Mercedes-Benz. Normalerweise sieht man dieses Fahrzeug als LF8 oder TSF. Hier wurde das Fahrzeug aus zeitlich Gründen für die Kameraden im Einsatz beschafft. Des Weiteren steht dem Zugführer und seinem Stellvertreter ein ELW 1 zur Verfügung. In der Bundeswehrsprache wird dieses Fahrzeug „Wolf“ genannt. Der GD 250 Mercedes ist ein Zweisitzer mit einem getrennten Geräteraum, in dem sich unter anderem eine Wärmebildkamera befindet. Diese ist vor allem danvon großem Wert, wenn bei den Luftfahrzeugen die Bremsen heiß gelaufen sind. Zwei Anhänger stehen einsatzbereit in der Halle. Einer der beiden ist ein Ölabwehranhänger, kurz ÖWA. Er beinhaltet unter anderem eine Gefahrgutpumpe mit Zubehör, mehrere Auffangwannen sowie Ölbindemittel. Er wird zusätzlich bei Gefahrguteinsätzen herangezogen. Der Anhänger ist so ausgelegt, dass er 18.000 l Kraftstoff aufnehmen kann. Um bei Dunkelheit noch optimal arbeiten zu können, verfügt die Fliegerhorstfeuerwehr über einen Anhänger, auf dem ein 8 m Mast, hydraulisch ausfahrbar, befestigt ist. Mit seinen 8 x 1.000 W Halogenstrahlern kann jede Einsatzstelle ausreichend beleuchtet werden. Die Strahler werden von einem an Bord befindlichen Generator gespeist. Als letztes Fahrzeug im Fuhrpark steht ein Toyota Hilux vor der Halle. Dieses Fahrzeug wurde angemietet und dient als Arbeitstier für alle Gelegenheiten. Mit ihm wird der Nachschub an der Einsatzstelle sichergestellt.

 

Historie

Afganistan_LogoUm bei Einsätzen im In- und Ausland den Brandschutz zu gewährleisten, wurden im Oktober 1988 die ersten Brandschutzfeldwebel in Wittmund ausgebildet und im dortigen Objektschutzregimentstationiert. Die Ausbildung wurde 1998 nach Faßberg verlegt. Seit 2003 wird die Brandschutzausbildung zentral in Stetten a.k.M. durchgeführt. Die ersten Einsätze im Ausland, an dem Brandschutzkräfte gefordert waren, fanden 2000 beim KFOR-Einsatz in Tetovo statt. Bis zum September 2001 flog die Bundeswehr von Piacenca (Ialien) Einsätze im Kosovo. Ebenfalls 2001 beteiligte sich Deutschland schon an der internationalen Schutztruppe ISAF (International Security AssistanceForce). Bis 2004 war man in Afghanistan nur auf dem Kabul International Airport mit Brandschutzkräften im Einsatz. Mit dem Aufbau des Camps Marmal in Mazare Sharif 2006 wurden die Brandschützer dorthin verlegt, wo im September 2007 auch deutsche Tornados zur Luftaufklärung stationiert wurden.

 

Einsätze


Von immer wiederkehrenden Mülleimerbränden über technische Hilfeleistungen bis hin zu Flächenbränden, die vorwiegend durch Selbstschutzeinrichtungen (Täuschkörper) der Luftfahrzeuge verursacht werden, hat die Feuerwehr ein ähnliches Einsatzspektrum wie Wehren in Deutschland. Ein Brand in der campeigenen Stromversorgungseinrichtung (Powerstation) führte 2007 zu dem erstengroßen Einsatz, den die Brandschützer zu bewältigen hatten. Auf Grund des gezielten Löscheinsatzes konnte ein Übergreifen auf die weiteren Trafostationen verhindert werden, was den totalen Ausfall der Stromversorgung für das gesamte Campund den Flugplatz bedeutet hätte. Zum täglichen Geschäft der Einsatzkräfte gehören gelegentliche Zwischenfälle (Luftnotlagen) mit Luftfahrzeugen. Dies kann von heißgelaufenen Bremsen über Triebwerksausfälle bis zu Störungen in der Bewaffnung der fliegenden Systeme reihen. Im Rahmen der überörtlichen Hilfeleistung auf Anforderung öffentlicher afghanischer Stellen wurden bereits einige Einsätze zur Unterstützung der afghanischen Bevölkerung wahrgenommen. So wurde beispielsweise bei Bränden im Krankenhaus der zehn Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Mazare Sharif und einem Lager für Bauholz und Gasflaschen Hilfe geleistet. Der größte Einsatz bescherte dem Brandschutzzug eine Einsatzdauer von ca. 16 Stunden im zentral gelegenen Einkaufszentrum der Stadt. Der Einsatz wurde durch winterliche Temperaturen von bis zu –20 °C erschwert. Das große Einsatzspektrum und die Vielzahl der unterschiedlichen Einsatzgebiete in der ganzen Welt haben die Brandschützer zu Allroundern auf ihrem Fachgebiet gemacht, daher lautet ihr Motto: „Firefighting World Wide!“ 

 

Daniel-Christopher Zielke

 

 

Quelle: FEUERWEHR 3-2001 und Autor: Daniel-Christopher Zielke

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